primalmoves

Auszeitprimal moves

Posted by Mark Sun, May 16, 2010 23:05:32

Hi,

ich nehme mal ne Auszeit. Vorerst keine Einträge mehr.

Trainiert schön.


Mark

primitive-videoprimal moves

Posted by Mark Sun, April 11, 2010 20:48:08

For English please scroll down...


Hab gerade mein neues Video bei Youtube hoch geladen (auch hier auf der Seite ganz am Ende des Eintrages zu sehen), und ich kann mir denken, daß manch einer sich fragt, was das soll. Was hat rumschreien und Stock-schwingen mit Natürlichem Bewegungstraining zu tun? Ich kann nur sagen: Eine ganze Menge!


Wie ich schon öfter erwähnt habe, gehören für mich zum Training auch Übungen im Werfen, Fangen und Selbstverteidigung dazu. Werfen fördert die Schnellkraft, oder Kraft überhaupt, wenn man schwere Sachen wirft, die man außerdem auch hochheben muß. Fangen übt die Reaktionsfähigkeit. Beides zusammen und im Wechsel trainiert ist also gut als Krafttraining in Verbindung mit Reaktionsvermögen, Koordination und Balance (wenn man beim Fangen zum Beispiel auf einem Ast balanciert). Darüber hinaus ist es spannend zu beobachten, wann welche Körperpartie angespannt oder entspannt ist. Die Fähigkeit zu erlernen, sich nach heftiger Anspannung (z.B. beim Werfen schwerer Sachen) sofort wieder zu entspannen, ist sehr hilfreich. So ist man leichter in der Lage den ganzen Körper zu kontrollieren.

Das Schwingen mit dem Stock ist ein persönliches Hobby von mir. Ich habe vor etlichen Jahren, inspiriert durch Kampfsportfilme, damit angefangen und mittlerweile benutze ich immer schwerere Stöcke und damit ist es quasi ein Koordinations-Kraft-Training. Und es ist bei weitem nicht so stupide wie Hanteltraining...


Was das Geschrei betrifft:

Ich praktiziere keinerlei Form von Selbstverteidigungstraining. Obwohl ich im Laufe der Jahre schon die eine oder andere Probestunde absolviert habe (u.a. Aikido, Kung-Fu, BJJ), hat mich nichts richtig überzeugen können, oder zumindest soweit begeistert, daß ich einem Verein beigetreten wäre. Vielleicht kommt das noch irgendwann...

Dennoch denke ich, daß es sehr wichtig ist, sich selbst gegen Angriffe verteidigen zu können, beziehungsweise in Verteidigungssituationen angemessen reagieren zu können. Ein wichtiger Punkt beim Verhalten in brenzligen Situationen ist es, nicht panisch zu werden. Ich habe schon oft von erfahrenen Kampfsportlern gehört, die aufgrund von Nervosität oder Panikattacken keine einzige ihrer mühevoll antrainierten Techniken anwenden konnten und einfach nur wild um sich gehauen haben und am Ende am Boden lagen. Das soll mir nicht passieren!

Was ich nun für wichtig erachte, als jemand ohne Nahkampferfahrung und ohne Techniken, ist eine geistige Haltung von Stärke, der Wille, konsequent gegen einen potentiellen Gegner vorzugehen, also von vorn herein deutlich zu machen: Ich bin kein Opfer, und wenn Du versuchst mir was anzutun, hau ich dich zu Brei, also laß es lieber.

Um diese Haltung im Video zu illustrieren, hab ich mich für eine "Coverversion" des Haka entschieden, des Tanzes der Maori, der neuseeländischen Ureinwohner. Oft wird der Haka als eine Art Kriegstanz aufgeführt, der den Gegner einschüchtern soll (so zum Beispiel von Rugby-Mannschaften).

Schreien, Zunge rausstrecken, Augen aufreißen, auf die Brust schlagen hat eine Jahrtausende alte Tradition bei Kriegern überall auf der Welt (und auch bei unseren äffischen Brüdern), und, obwohl es für das moderne Auge eher skurril und lächerlich wirkt, ist es anscheinend tief in unseren Genen verankert (sogar heute noch, wenn man sich z.B. wütende Demontranten anschaut).

Die Botschaft: Leg Dich nicht mit mir an, ich bin sonst fest entschlossen Dir Schaden zu zufügen! ist in dieser Form wohl zeitlos als Schutz für einen selbst und die Menschen, die man gern hat.


Aber trotz des ganzen oben Geschriebenen soll mein Video, wie die anderen auch, einfach nur unterhaltsam sein und vielleicht den einen oder anderen dazu inspirieren sich "primitiven" Körpertrainingsformen zu zuwenden.

Viel Spaß also

Mark



English summary:

Hi there, just uploaded my newest video on Youtube (and at the end of this post), and one may ask: What´s that about? What has yelling und stick-swinging to do with natural movement training? And I can only say: a lot!


As I mentioned in previous posts, parts of natural training are catching, throwing and self-defense. Practising throwing generates explosive strenght, or strenght in general when throwing heavy things, and because you have to lift them up first, too. Catching improves your capacities to react fast and preciesly. Training catching and throwing at the same time is a perfect conditioning training combined with reaction, coordination and balance. It´s also a good way to improve your overall body control, when focusing on tension and relaxiation of your muscles, i.e. when is tension required and how fast can you relax again?

The swings with the stick are something personal, inspired by martial-arts-movies several years ago. Nowadays I try to use heavier sticks to do a conditioning-coordination-combo. And it doesn´t feel as stupid and boring as dumbell drills...


Regarding the yelling:

I don´t practise any kind of self-defense training. During the years I went to several clubs (Aikido, Kung-Fu, BJJ, to name a few), but not one was able to catch my enthusiasm so far...

But besides that, I think it´s very important to know how to defend myself from an attack, or to react appropiately in some tricky situation. In my opinion the most important part is not to panic. I heard of many martial artists, who got nervous and couldn´t handle the situation, forgetting everything about their training and ended up on the floor. This should never happen to me!

What I think is important, as someone without expierience in martial arts and with no technical skills backround, is a strong mindset, the willpower to act consequently against some potential opponent, to make clear at once: I am not a victim, and if you try to hurt me, I am going to beat the shit out of you, so leave it!

To get this mindset illustrated in the video, I decided to use a "coverversion" of the Haka, the dance of the Maori, the aboriginal newzeeland people. This Haka is often used as a kind of wardance, to intimidate the enemy (i.e. by Rugby-Teams).

Yelling and shouting, sticking out the tongue, eyes wide open, beating on the chest are gestures with a very long tradition among warriors all over the globe (and among our fellow ape brothers), and besides their obscure and hilarious looks to the modern eye, they are deeply rooted in our genes, even nowadays (i.e. when you see poeple demontrate).

The message: Don´t mess with me, otherwise I am determined to hurt you!, which is comunicated by these gestures is timeless in it´s use to protect oneself and the ones you like.


But despite all the above written, my video is simply for entertainment purposes and to inspire poeple to start their own "primitive" natural movement training.

So, have fun

Mark


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Meine Vorstellung von Fitnessprimal moves

Posted by Mark Tue, March 30, 2010 00:03:00

Wodurch unterscheidet sich Natürliches Bewegungstraining von herkömmlichen, etablierten Trainingsmethoden?


Um diese Frage zu beantworten, bedarf es einer Erklärung oder Definition des Begriffs Fitness. Was ist Fitness? Ich verstehe dieses Wort in seinem ursprünglichen Sinn: englisch "fit" = passend oder anpassen. Meiner Überzeugung nach meint dies, daß der menschliche Körper an seine Umgebung angepasst ist, oder angepasst sein sollte. Fitness für sich allein geht nicht, man muß sie in Bezug zu etwas setzen, und das sollte die Umwelt sein, in der man zurechtkommen muß.


Die allgemeine Auffassung von Fitness, so mein Eindruck, ist aber ohne Bezug zur Umwelt, ist reiner Selbstzweck. Dies drückt sich in der Erfindung von Trainingsgeräten und Fitness-Studios aus. Fragt man jemanden, warum er ein Fitness-Studio besucht, so werden meistens einer der beiden Gründe genannt: 1. man möchte was für seine Gesundheit tun, sprich gegen Rückenbeschwerden oder Gelenksteifheit oder fürs Herz, und 2. man möchte Muskeln aufbauen, Gewicht reduzieren, den Körper äußerlich formen, also ästhetische Gründe. Beide Gründe sind völlig legitim und in Ordnung, nur was haben sie mit "fit sein" zu tun?

Ist jemand fit, weil er einem äußeren Anschein und allgemein anerkannten Vorstellungen entsprechend fit aussieht? Dies meine ich mit Selbstzweck: man will sich wohlfühlen, gut aussehen, was das Selbstbewußtsein stärkt und gesellschaftliche Anerkennung schafft, wiederum völlig legitim, aber selbstbezogen und ohne wirkliche Anpassung an die Umwelt.


Was meine ich mit wirklicher Anpassung?

Unser westlicher Lebensstil ist sehr bequem und von der wirklichen Welt abgeschottet. Was die körperliche Beanspruchung betrifft, so bewegen wir uns sitzend im Auto oder der Bahn vorwärts, benutzen Rolltreppen und Fahrstühle, wohnen und arbeiten geschützt vor widrigen Witterungen in beheizten und klimatisierten Räumen (Menschen, deren Arbeitsplatz im Freien ist, Bauarbeiter, Müllmänner, sind gesellschaftlich weniger geachtet als welche, die im Büro sitzen, hab ich mir nicht ausgedacht, ist so.), unter Kunstlicht bis weit nach Sonnenuntergang. Dies ist nicht neu, genauso wenig wie die Erkenntnisse über die fatalen Folgen von Bewegungsmangel. Doch was tun wir, um gegen den Bewegungsmangel anzugehen? Wir kaufen uns Hometrainer und/oder gehen ins Fitness-Studio, in beheizte, klimatisierte Räume mit Kunstlicht und Fernsehschirmen in allen Ecken, um an Geräten zu trainieren, die Bewegung eher einschränken als fördern, weil sie jeweils nur bestimmte Muskelgruppen ansprechen. Und am liebsten würden wir nicht mal das machen, wir stellen(!) uns auf Rüttelplatten und schlucken Eiweißpräperate zum Muskelaufbau...

Haben wir uns auf diese Weise unseren Körper im Laufe der Evolution erarbeitet? Sind wir zur erfolgreichsten Spezies auf dem Planeten geworden, weil wir es bequem haben wollten? Vielleicht in den letzten 8000 Jahren, aber unser Körper ist wesentlich älter. Wesentlich! Und er kann mehr, er will mehr können.


Und genau hier setzt das Natürliche Bewegungstraining an: Es schafft den Bezug zur wirklichen Welt, hält den Körper gesund, stark, ausdauernd und beweglich, indem es ihn auf eine Weise fordert, für die er ausgelegt ist:

Menschen sind ihrer Körperlichkeit nach ausdauernde Alleskönner, im Vergleich zu anderen Tieren nicht besonders schnell, aber geschickt und...anpassungsfähig! Auch ohne viel Gerät und Hilfsmittel, nur mit dem, was die Evolution für notwendig erachtet hat, alles steckt in uns, und zwar seit mehreren hunderttausend Jahren. Erprobt und für gut befunden.


Wie sieht nun natürliche Fitness aus?

Beim Natürlichen Bewegungstraining werden Fertigkeiten im Gehen, Laufen, Springen, Klettern, Balancieren, Fortbewegung auf allen Vieren, Werfen, Fangen, Heben, Tragen, Selbstverteidigung und Schwimmen trainiert, und zwar draußen in frischer Luft, bei natürlichem Licht, mit gewöhnlichen Hilfsmitteln wie Bäumen und Steinen, welche unterschiedliche Oberflächen besitzen, im Gegensatz zu gleichförmigen, in Serie hergestellten Geräten. Als Folge eines solchen Trainings entstehen zwangsläufig Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit, Koordination, Konzentration (keine Ablenkung durch Musik und Bilder), Resistenz gegen Witterungseinflüsse, Anpassungsfähigkeit an immer neue Situationen, alles in Allem: eine durch und durch zweckgebundene (weil in Auseinandersetzung mit der Umwelt), Funktions-orientierte Fitness, die zutiefst artgerecht ist. Sich bewegen wie ein Mensch.


Viel Spaß beim Training!


Mark

MovNat-Workshopprimal moves

Posted by Mark Sun, March 28, 2010 22:01:22

Anfang März erfüllte ich mir zusammen mit meiner Frau einen Traum und reiste nach Brasilien, um an einem 9-tägigen Workshop von Erwan Le Corre teilzunehmen, dem Gründer eines Trainingsprogramms für natürliches Bewegen namens MovNat (http://movnat.com/). Der in Frankreich geborene Le Corre entschied sich bei diesem besonderen Workshop für die exotische Kulisse des Atlantischen Regenwaldes rund um die Surf-Hochburg Itacaré im Bundesstaat Bahia.

Blog imageWar ich bisher noch kein Südamerika-Fan, so hat mein Aufenthalt dies gründlich geändert. Eigentlich wäre ich am liebsten dageblieben.smiley

Doch zum Workshop:

Das Konzept des MovNat-Trainings basiert auf der Idee, daß man durch das achtsame gedankliche "Zerlegen" von Bewegungen diese besser versteht und effektiver einsetzen kann. Genau wie mein eigenes Training beruht auch MovNat auf der "Methode naturelle" des Franzosen Georges Hébert, beinhaltet also Übungen in den grundlegenden menschlichen Bewegungsmustern von Gehen, Laufen, Springen, Klettern, Balancieren, Fortbewegung auf allen Vieren, Heben, Tragen, Werfen, Fangen, Selbstverteidigung und Schwimmen, jedoch hat Erwan dieses Konzept modernisiert und erweitert. So lehrt er überdies Atemtechniken, was ich persönlich sehr hilfreich fand, außerdem benutzt er Videoaufnahmen zur Analyse von Bewegungsmustern der einzelnen Teilnehmer. So entstehen Vorher/Nachher-Aufnahmen mit teilweise erstaunlichen Resultaten.

Auf dem Gelände unserer Unterkunft Art Jungle Eco Lodge (welche später mal einen besonderen eigenen Eintrag verdient und erhält!) war ein Trainingsplatz vorbereitet, bestehend aus einem Klettergerüst, sowie Baumstämmen in verschiedenen Ausmaßen und Formen.

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Diese wurden in den nächsten Tagen zu unseren Übungsgeräten, die wir richtig anheben und tragen lernten, darauf balancierten und von einem zum anderen sprangen. An dem Gerüst lernten wir Klettertechniken.

Apropos wir: Unsere Gruppe bestand aus 7 Teilnehmern unterschiedlicher Herkunft (USA, Australien, Hawai, Frankreich), außerdem, neben Coach Erwan, war noch Greg Carver aus Kanada als Assistent mit dabei. Alle hatten unterschiedliche Level an Fitness, aber Erwans Programm ist voll skalierbar, so daß jeder sich nach seinen Möglichkeiten verbessern konnte. Erwan legte großen Wert auf genaues Erklären der einzelnen Bewegungen und hatte ein scharfes Auge auf seine Schützlinge. Selbst ich, der zum Beispiel schon einige Erfahrung im Springen besaß, konnte meine Fertigkeiten noch verbessern.

Natürlich fliegt man nicht nach Brasilien, um auf einer Hotelwiese Gymnastik zu machen. Deshalb standen einige Exkursionen an, bei denen man das Gelernte ein- und umsetzten konnte. So paddelten wir auf dem Rio de Contas in Baumstamm-Kanus durch Mangrovensümpfe zu einem wunderschönen Wasserfall, machten eine Barfuss-Dschungelwanderung mit Flussdurchquerung und Baumklettern, besuchten eine Brasilian Jiu-Jitsu-Schule, um Selbstverteidigungstechniken zu erlernen, und selbstverständlich gab es da diese traumhaften Strände...

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Was das Essen anbelangte, konnten wir uns voll und ganz auf ArtJungle-Manager Jeff und seine Frau Joelma verlassen. Jeden Tag drei Mahlzeiten nach dem Paläo-Prinzip, frischen Fisch, Fleisch und Gemüse vom Bauern nebenan, dazu tonnenweise leckere Früchte, die teilweise keine 20 Meter weiter von den Bäumen gepflückt wurden.

Weitere Einzelheiten zu diesem genauso traumhafen wie lehrreichen Event erspare ich mir, weil ich sonst anfange zu weinen, und Ihr anfangt Euch zu langweilen.

Jedem, der sich für das (Wieder-)Erlernen natürlicher Bewegungen interessiert, möchte ich nahelegen, einen MovNat-Kurs zu besuchen (vorerst leider nur in den USA). Erwan ist ein talentierter Lehrer, dazu sehr geduldig und aufmerksam. Auch in dieser Hinsicht konnte ich von ihm lernen. Irgendwer muß schließlich Natürliches Bewegungstraining hierzulande unterrichten, oder?smiley

Darüberhinaus möchte ich noch erwähnen, daß wir in den ersten Tagen von Christo und Kai begleitet wurden, ihres Zeichens Journalist und Fotograf für das deutsche Lifestylemagazin "Fit for Fun". Obwohl ich nicht zur Leserschaft dieses Heftes gehöre, freue ich mich selbstverständlich über das Interesse hiesiger Medien. Der Artikel über MovNat wird in der Mai-Ausgabe des Heftes zu finden sein.

Außerdem begleitete uns noch ein französisches Fernsehteam des Senders M6, welches eine halbstündige Doku über Naturtraining/Paläo-Lifestyle dreht, die voraussichtlich im Juli diesen Jahres gesendet wird.

Ihr seht, es entwickelt sich was...


Was mir persönlich das Wichtigste war:

Es gab während meines Aufenthaltes im Regenwald Momente, in denen ich mir vorkam wie ein kleines Orang-Utan-Baby, daß man nach den ersten Jahren in Gefangenschaft wieder an das Leben in seiner natürlichen Umgebung gewöhnt. Nach all meinen Jahren im Menschen-Zoo hatte ich in diesen Momenten zum ersten Mal den Eindruck: So muß es sich anfühlen wie ein wirklicher Mensch zu leben. Dieses Gefühl sollte jeder erleben.


Mark

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Leben auf freiem Fußprimal moves

Posted by Mark Tue, February 16, 2010 15:58:34

Barfuß laufen ist ein zutiefst menschliches Verhalten, auch wenn die letzten 8000 Jahre unseres Daseins auf diesem Planeten einen anderen Eindruck vermitteln. Dieser Eintrag soll helfen einen Wiedereinstieg in Natürliche Bewegungsmuster zu finden, und natürliches Gehen und Laufen ist die Basis von allem.


Gepolsterte Wahrnehmung


Anfangs ein Gedankenexperiment: Stell Dir vor, man hätte Dir direkt nach deiner Geburt dicke Fausthandschuh über die Hände gezogen, und von da an wärst Du die ganze Zeit deines Lebens mit diesen Handschuhen herum gelaufen, du hättest sie nur zum schlafen und waschen ausgezogen, vielleicht auch mal im Sommer am Strand, um ein wenig im Sand zu spielen. Ansonsten waren Deine Hände immer in Handschuhen.

Wie würden solche Hände aussehen? Wahrscheinlich blaß-rosa, weich und aufgedunsen, kraftlos und überempfindlich für Berührungen, sie wären schwitzig und würden müffeln und wahrscheinlich hättest du sogar Handpilz. Du würdest Muskelschmerzen bekommen beim Versuch eine Faust zu machen, und Hautabschürfungen bekommen, wenn du eine Hauswand berührst. Geschweige denn Du müsstest ein Konservenglas öffnen oder mit einem Stift schreiben.

Und wie entsetzlich wäre der Gedanke die Handschuh auf einmal weg zu lassen? Niemals, Du könntest Dich verletzen. Und schmutzig werden. Und...

Übertreibe ich? Bestimmt sogar, aber ich denke, die Botschaft ist deutlich geworden.


Früher...


ganz viel früher, nämlich vor mehr als 12 000 Jahren, vor der Erfindung von Landwirtschaft und Viehzucht, vor dem Bau von Häusern und Straßen, liefen wir Menschen barfuß über die Erde. Über Felsen, durch Gebüsch und Wälder, durch Matsch und Eis. Menschen wie wir heute auch. Denn die Evolution ist ein sehr langsamer Prozess. Bereits vor 40 000 Jahren waren wir auf dem selben Entwicklungsstand wie heute auch noch, seit dem haben die Veränderungen in unserer genetischen Anpassung nur 0,02 % betragen (nach L. Cordain in The Paleodiet, John Wiley & Sons,Inc. 2002). Die Entwicklungsgeschichte der aufrecht gehenden Hominiden hingegen ist schon 2 Millionen Jahre alt. Innerhalb dieses unvorstellbar langen Zeitraumes haben haben die Anpassungen stattgefunden,

als deren vorläufiges Ergebnis Homo sapiens heraus gekommen ist. Das bedeutet: unser Entwicklungsstand zur Zeit ist Altsteinzeitlich.


Das 21. Jahrhundert der Steinzeit


Für mich persönlich ist diese Tatsache schon Grund genug, die Schuhe weg zu lassen und mich wie meine Vorfahren fort zu bewegen. Wer noch mehr Beweise braucht, die die Vorteile des Barfußlaufens belegen, der dürfte im Internet schnell fündig werden.

Bei mir war die Entwicklung eher umgekehrt, d.h. ich habe angefangen wie jeder heutzutage auch, habe mir Laufschuhe gekauft und bin los gelaufen - aber es fühlte sich nie richtig gut an. Mit dem Gedanken im Hinterkopf, daß eigentlich kein Lebewesen auf diesem Planeten Schuhe trägt (Menschen eingeschlossen), habe ich begonnen barfuß zu laufen. Es tat weh, ich hatte Muskelkater, Blasen und Kratzer - aber es fühlte sich richtig an! Und als die Muskulatur da war und die Hornhaut an den richtigen Stellen, war mir klar: So laufen Menschen. So sollten sie laufen. Erst da habe ich angefangen zu recherchieren und, siehe da, mich bestätigt zu sehen. Und ich möchte jeden dazu ermuntern, die Suchmaschine an zu werfen und sich selbst zu überzeugen. Nur Barfußlaufen ist anatomisch richtiges, artgerechtes Laufen.

Und so möchte ich direkt übergehen zum


Training


Es ist nicht ratsam, einfach die Schuhe weg zu werfen und los zu rennen. Das schadet mehr als es nützt. Gerade wer noch nie oder nur sehr selten barfuß gelaufen ist, sollte ganz langsam beginnen. Es gibt im Grunde genommen drei Probleme zu bewältigen:

1. die Fußmuskulatur muß sich bilden,

2. die Fußsohle muß robuster werden, und

3. man muß sich trauen, in einer Welt von Schuhe tragenden Mitmenschen.

Die ersten beiden Punkte sind eine körperliche Herrausforderung, der dritte eine psychologische. Aber der Reihe nach:

zu 1. Durch das Gehen und Laufen in dicksohligen, gepolsterten Schuhen ist normalerweise die Fußmuskulatur ziemlich verkümmert, oft auch geschädigt. Wie bei anderer Muskelaufbauarbeit auch, sollte man die (durchaus vorhandenen) Muskeln an ihre neue Aufgabe gewöhnen. Damit kann man zu Hause beginnen: Hausschuhe aus, Socken aus, einfach rumlaufen. In der Wohnung, die Treppe runter in den Keller, in den Garten raus, durch den Hausflur auf den Dachboden zum Wäsche aufhängen, ums Haus rum zum Mülleimer, und und und. Eine Übung mit Ball, zum Musik hören oder vor dem Fernseher: Auf ein Bein stellen, mit dem anderen Fuß den Ball (egal was für einen) langsam mit dem Ballen hin und her bewegen, also nach links rollen, abstoppen, zurückrollen, wieder stoppen, usw., dann das Bein wechseln. Als nächstes mit den Zehen einen Gegenstand anheben, ein Tuch, einen Stift, ... Diese Übungen erfordern Muskeln, die Du vielleicht zum ersten Mal benutzt, und die diese Bewegungen erst lernen müssen, also: Geduld. Nach und nach stärken sie nicht nur die Muskeln im Fuß, die mit dem Ball oder Stift beschäftigt sind, sondern auch das Fußgelenk des Standbeins, welches das Gleichgewicht halten muß.

Nun kann man sich auch nach draußen trauen. Such dir eine Wiese, einen sandigen Weg und geh einfach ein paar Minuten. Probier verschiedene Untergründe aus: Beton, Asphalt, Kies, Rasen, Rindenmulch, ...

Mach dir keine Gedanken über hart und weich. Das Abfedern der Auftreffkraft des Fußes übernimmt nicht der Untergrund, sondern der Körper. Er ist dafür entwickelt, er muß es nur neu lernen. Einer der größten Irrtümer über das Barfußlaufen ist die fälschliche Annahme, das der Körper den Schock des Auftretens nicht verarbeitet und geschädigt wird, also muß man gepolsterte Schuhe tragen, um die Kräfte zu absorbieren. Oder Barfuß nur auf weichen Untergründen laufen. Das ist Unsinn.

Wenn man einmal begriffen hat, wie es geht, durch Selbstbeobachtung und Experimentieren, dann merkt man, daß der Körper sich um die Verteilung der Kräfte kümmert, über Fußgelenk, Knie, Hüfte und Wirbelsäule. Deshalb ist eine langsame Steigerung der Belastung sehr, sehr wichtig. Gelenke und Sehnen brauchen sehr lange, mitunter Jahre, um sich auf neue Belastungen ein zu stellen. Diese Zeit ist notwendig, um all die Jahre des Laufens in Schuhen und der Fehlbelastungen wett zu machen. Also jemand, der bereits erfolgreich einen Marathon gelaufen ist, kann nicht davon ausgehen, innerhalb kurzer Zeit dieselbe Strecke barfuß zu bewältigen. Wenn dieser Jemand bei seinem ersten Barfußversuch 500 Meter läuft, ist das erstmal genug. Laufen ohne Schuhe ist ganz, ganz anders!

Ganz wichtig: Aufrecht bleiben! Aus Angst irgendwo rein zu treten, neigt man anfangs dazu, immer direkt vor sich auf den Boden zu starren. Das ist zwar verständlich, aber kein aufrechter Gang, wofür wir Menschen ja im ganzen Tierreich berühmt sind. Also, Augen immer auf den Horizont. (An dieser Stelle möchte ich einfügen, daß ich in meiner ganzen Barfuß-Karriere noch niemals in etwas rein getreten bin, ok, einmal in Hundekackesmiley und ich hatte mal einen kleinen Glassplitter, aber sonst...nach und nach wissen die Füße, wo sie hintreten können, klingt seltsam, is aber so)

zu 2.

Die nächste Herausforderung ist, die verweichlichte Fußsohle an die Flut von neuen Eindrücken zu gewöhnen. Dazu schicke ich vorweg: Es braucht Zeit ! Auch hierbei nichts überstürzen. Für den Anfang könnte man sich zum Beispiel den nächsten Urlaub vornehmen und soviel Zeit ohne Schuhe verbringen, wie es nur geht. Langsam beginnen, langsam steigern. Dabei kann man feststellen, mit welchen Untergründen sich die Fußsohle zu befassen hat: hart, weich, rauh, steinig, glatt, warm, heiß, kalt, ... und man entdeckt vielleicht nach einem Spaziergang auf einem steinigen Waldweg, wie herrlich weich Beton sein kann !

Ein erster Indikator, wie viel Du aushalten kannst, ist folgendes Experiment: Besorg Dir eine Eierpappe (aus dem Supermarkt oder vom Bauern) und versuch sie langsam platt zu treten. Klingt simpel, hat es aber in sich.

Der Trick ist tatsächlich die langsame Gewöhnung. Genau wie die Muskulatur muß sich auch die schützende Hornhaut an der Sohle langsam entwickeln, sonst kann sie ihre Aufgabe nicht ordentlich durchführen.

Wichtig ist auch die Pflege: Nach jedem Barfußgang sollte man seine Füße nach dem Waschen genau in Augenschein nehmen: Wo sind Blasen, wo sind Kratzer oder Schnitte (sofort desinfizieren, am besten mit biologischen, ätherischen Ölen, keine billigen Weihnachtsmarkt-Mischungen! Sehr gut wirken Teebaumöl und Lavendelöl, welches auch besser riecht.). Außerdem schadet eine kleine Fußmassage überhaupt nicht, wiederum am besten mit einem guten, pflegenden Öl, z.B. Mandel- oder Jojobaöl, günstiger und genauso gut ist Olivenöl aus dem Küchenschrank.

zu 3.

Wenn man in der Öffentlichkeit ohne Schuhe unterwegs ist, ist man damit zwangsläufig im Fokus seiner Mitmenschen. Das ist eine Tatsache, mit der man zurechtkommen muß. Je nach Ausprägung des Selbstbewußtseins hat man damit mehr oder weniger ein Problem. Allerdings habe ich noch keine wirklich negativen Erfahrungen gemacht. Die meisten reagieren belustigt und/oder verwundert, vielleicht mit einem mehr oder weniger flachen Spruch ("Hasse kein Geld für Schuhe?" ist ein echter Klassiker.) Sommertags oder im Urlaub hat man auch mehr seine Ruhe als im Winter oder bei kaltem Regen. Was verständlich ist, da ein barfüßiger Mensch nun mal ein (noch) ungewöhnlicher Anblick ist. Also, freundlich bleiben, ein Lächeln hat noch niemandem geschadet.

Allerdings ist es in manchen Geschäften, Restaurants, Kneipen, Clubs etc. verboten, diese ohne Schuhe zu betreten, meistens aus Versicherungs-technischen Gründen, falls sich jemand verletzt.

Wenn ich in Innenstädten unterwegs bin, hab ich meistens ein Paar Flip Flops dabei, um für solche Fälle gerüstet zu sein. Ich ziehe sie aber auch freiwillig an, z.B. beim Betreten von öffentlichen Toiletten, denn das ist mir zu eklig.

Barfuß unterwegs sein bietet aber auch für denjenigen, der Lust dazu hat, öfter die Gelegenheit mit Leuten über das Wieso und Weshalb ins Gespräch zu kommen, und damit das Verständnis für diese natürliche Fortbewegungsweise zu fördern.


Minimalschuhe


Wem das ganze Füßsohlenabhärten zu viel ist, oder wer sich entschieden hat, das ganze Jahr über barfuß zu laufen, aber nicht in direkten Kontakt mit gefrorenem Boden oder Eis kommen will, oder wer einfach keine dreckigen Füße haben möchte dem seien sogenannte Minimal- oder Barfußschuhe anempfohlen, hier als erstes die Vibram Five Fingers. Diese bieten der Fußmuskulatur die Möglichkeit, sich zu entwickeln, ohne sich um kleine Steinchen, Glasscherben, Zigarettenkippen oder sonstwas Gedanken zu machen. Außerdem gibt es mittlerweile Modelle, welche robust genug sind, um einen 50km Trailrun auszuhalten.

Eine günstige Alternative sind die Jika Tabi, oder Japanschuhe (einfach bei Google eingeben), die bei mir auch schon den einen oder anderen Winter mitgemacht haben.

Allerdings muß ich zu bedenken geben, daß Laufen mit diesen Schuhen, obwohl eine Annäherung, kein Barfußlaufen ist. Es fehlt der direkte Bodenkontakt, über den der Fuß und damit der Körper alle Informationen bekommt, die er zum richtigen Laufen braucht, die es leicht und effektiv machen. Und einen dezenteren Eindruck macht man mit diesen Schuhen auch nicht unbedingt.smiley


Ok, soweit erstmal. Ich hoffe, mit diesem Eintrag einigen von Euch weitergeholfen zu haben. Bis demnächst...

Mark







Natürlich !primal moves

Posted by Mark Thu, February 11, 2010 16:58:34

Guten Tag zusammen,

den Beginn des neuen Jahres, obwohl schon eine Weile her, möchte ich für eine Art Neustart meines Blog nutzen, indem ich ab jetzt auf Deutsch schreibe, in der Hoffnung die Idee des Natürlichen Bewegungstrainings und alles, was damit zusammen hängt, quasi auf lokaler Ebene zu verbereiten.


Um was es hier geht:

Unter Natürlichem Bewegungstraining verstehe ich ein Körpertraining, welches den Möglichkeiten und Fähigkeiten des Menschen entspricht. Dazu gehören Übungen im Gehen, Laufen, Springen, Klettern, Fortbewegung auf allen Vieren, Balancieren, Heben, Tragen, Werfen, Fangen, Schwimmen und Selbstverteidigung. Dies sind alles Bewegungsmuster, die unseren jagenden, sammelnden und nomadisierenden Vorfahren vor dem Seßhaftwerden geläufig waren und zu deren täglichem Leben gehörten. Überhaupt ist das Ganze im Grunde ein Steinzeit-Training, wenn man so will. Ich persönlich trainiere ausschließlich draußen, in einem schönen Waldstück in der Nähe, und barfuß, wenn es nicht gerade, wie im Moment, ständig unter Null Grad ist.

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich auch mit der sogenannten Paläo- oder Steinzeiternährung, die in gewisser Weise zum Training dazu gehört, da ich sie, genau wie mein körperliches Training, für "artgerecht" halte.


In nächster Zeit gibt hier noch mehr Informationen zum Thema, Erfahrungsberichte von mir, sowie eine Reihe von Links, die weiterhelfen.

Empfehlen möchte ich auch meinen Youtube-Kanal, wo nicht nur Videos von mir zu finden sind, sondern viele interessante Dinge bei meinen Favoriten.


Soweit erstmal und hoffentlich bis bald

Mark

Ab jetzt auch auf deutsch!primal moves

Posted by Mark Thu, February 11, 2010 12:05:27

Hello and Guten Tag everybody!

I decided to write my blog posts from now on in German language, because I became aware that there is a lack of information about natural training methods in the German speaking area. On the other hand, there is a lot of good stuff out there written in English which can be easily found. So now it´s time to promote natural movement training on a more local basis. Don´t be sorry, all upcoming videos will be "international" smiley !

Happy New Year

und

Tschüss!

summer videoprimal moves

Posted by Mark Sun, October 11, 2009 14:33:28

A new video is ready to conquer the world smiley!

But seriously, I put a lot of work in that one and I hope everybody will enjoy it.


I also signed up on twitter to keep you informed about my training.


See you


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